Der Erfahrbare Atem nach Ilse Middendorf

Die drei Atemweisen

Der unbewusste Atem ist der von der Natur gegebene Atem, der uns von der ersten bis zur letzten Minute unseres Lebens begleitet. Eingebettet in das vegetative Nervensystem, reagiert der unbewusste Atem auf jeden Einfluss von innen und aussen. Schon ein Gedanke kann ihn verändern: Wenn wir an etwas Erfreuliches denken, wird der Atem weit. Umgekehrt wird allein schon beim Gedanken an schwierige Lebenslagen der Atem enger und das Atemvolumen geringer. Alle seelischen und geistigen Regungen und Bewegungen äussern sich im Atmen. Auch der Einfluss von Hitze oder Kälte, Regen oder Sonnenschein, die räumliche Umgebung, ein Leben in der Stadt oder auf dem Land, die berufliche Tätigkeit, die Kommunikation mit Menschen, Leistungsdruck oder Geborgenheit: in jeder Sekunde unseres Daseins reagiert das unbewusste Atemgeschehen.

Das Atemgeschehen unterscheidet sich insofern von allen anderen körperlichen Funktionen, als dass er sich unmittelbar vom Willen erreichen lässt. Die ist der willentlich geführte Atem. Der Atem „funktioniert“ also nicht nur unbewusst, sondern wir vermögen ihn bewusst mit Einsatz des Willens zu verändern.

Der Erfahrbare Atem

Ich lasse meinen Atem kommen, ich lasse ihn gehen, und ich warte, bis er von selbst wiederkommt.                                                                                  (Ilse Middendorf)

Diese schlichte Aussage enthält Wesentliches. Wenn wir das nämlich probieren, merken wir, dass wir nichts tun müssen, wenn wir ausatmen, und nichts tun müssen, wenn wir einatmen. Die Ruhe nach dem Ausatmen, die „Atempause“, ist ein wohltuender, friedvoller Zustand. Das Kommen- und das Gehen lassen des Atems gelingt durch die Anwesenheit bei sich selbst. Auf diese Weise werden wir Zeuge unserer unbewussten Atemfunktion, ohne deren Ablauf zu stören. Das Wort „lassen“ – „zulassen“ – ist dabei das Schlüsselwort. Es ist eine Art zu atmen, die wir nicht mit unserem Willen bestimmen und deren Wurzeln tief in unserem Dasein begründen. Dieser „gelassene Atem“ erfasst das körperlich-seelisch-geistige Unbewusste und bringt dessen Aussagen in Form von entsprechenden Atembewegungen ins Empfindungsbewusstsein, das dann in Form von Erkenntnissen, Gefühlen, Intuition oder Gedanken weiter wirkt. So erfahren wir unseren Atem. Der Erfahrbare Atem meint Körper, Seele und Geist und erreicht die Ganzheit des Menschen.

Ziel der Atemarbeit

Durch andauernde, physische und psychische Belastungen und Blockaden kann unser natürlicher Atemrhythmus aus dem Lot geraten. Dadurch kann sich ein eingeschränktes Atemmuster ergeben. Wir atmen – unbewusst – vielleicht unregelmässiger und flacher, die Atembewegung fliesst nicht mehr frei, es entstehen Blockaden.

Unwohlsein, Stressgefühle und Krankheiten können die Folge sein. Einatem, Ausatem und Atemruhe stehen nicht mehr im Gleichgewicht. 

Ziel der Atemarbeit ist es, dieses Gleichgewicht wieder herzustellen.

Die Methode

In der Atemarbeit nach Middendorf werden gezielte Übungen oder Behandlungsgriffe eingesetzt, die auf die Qualität des Atems Einfluss nehmen und Blockaden lösen. Die übende resp. behandelte Person ist dabei bewusst beim Atemgeschehen anwesend und unterstützt und vertieft auf diese Weise die Wirkung der Übungen und Griffe. Der eigene, natürliche Atemrhythmus und die feinabgestimmten Wechselwirkungen zwischen Körper und Psyche werden so mit der Zeit bewusst. Das Gleichgewicht des Atems kann mit der Zeit seine heilsamen und harmonisierenden Einfluss auf Körper und Seele ausüben. Verspannungen lösen sich und Beschwerden können positiv beeinflusst werden.

Der Erfahrbare Atem ist eine Körpertherapie, die sich an Menschen richtet, die ganzheitlich und präventiv etwas für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden tun wollen. 

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