Über den Atem

Jeder Mensch, jedes Tier und jede Zelle atmet, um zu leben. Der Atem ist die existentielle Lebensgrundlage für jeden Organismus.  

Dass der Atem Möglichkeiten bei der Gesundheitspflege und der Persönlichkeitsentwicklung bietet, wissen die Menschen schon seit über 2000 Jahren. Bereits bei den alten Griechen, den Ägyptern und den östlichen Kulturen wurden Atem- und Bewegungslehren entwickelt. Im Wissen, dass sowohl die körperlichen als auch die seelischen und geistigen Kräfte des Menschen untrennbar mit dem Atem verbunden sind, stand immer die ganzheitliche Bedeutung des Atems im Zentrum.

Die Bedeutung des Wortes Atem

Das Wort Atem hat von der Herkunft und Geschichte her verschiedene Bedeutungen. Diese drücken die Verbindung des Atems zur körperlichen, geistigen und/oder seelischen Ebene aus und beschreiben ihn als Lebensenergie.

Der Begriff „Odem“, das aus dem Mitteldeutschen stammt, bedeutet Atem, Hauch, Seele, Geist (Gottes). Das lateinische Wort für atmen ist „spirare“ und das „spiritus“ heisst übersetzt Geist resp. der heilige Geist. Auch der Begriff „Pneuma“ aus dem Griechischen steht sowohl für Atem als auch für den Geist und die Seele als Wortbedeutung. Das hebräische Wort „ruach“ lässt sich mit verschiedenen Bedeutungen wie Atem, Wind, Hauch und Geist übersetzen und in China steht das Wort „Chi“ für Lebenskraft, aber auch für Atem.

Die Bedeutung des Atems für den menschlichen Körper im anatomisch-physiologischen und vom biochemischen Zusammenhang

Mit der Atmung nimmt der menschliche Organismus Sauerstoff auf und scheidet Kohlendioxyd aus. Der Gasaustausch findet in den Lungenbläschen statt, wo das Blut in engen Kontakt mit der Atemluft gelangt. Das Blut trägt den Sauerstoff zu den Zellen und transportiert das entstehende Kohlendioxyd zur Lunge.

Nicht atmen zu können, bedeutet höchste Bedrängnis und innert kürzester Zeit das Ende der Lebensfähigkeit des Organismus.

Der Vorgang, der den Gasaustausch in den Lungen ermöglicht, ist die Atembewegung. Die dreidimensionale Aufweitung des Atemraumes im Einatem bewirkt das Weiterwerden der Lungen und somit das Einströmen der sauerstoffreichen Einatemluft. Das Zurückschwingen in die Ausgangslage beim Ausatmen ermöglicht das Ausströmen der kohlendioxydangereicherten Ausatemluft.

Die Atmung als eine wesentliche Grundfunktion des Lebens ist mit allen Funktionen des Organismus eng verknüpft. Sie reicht in ihrer Bedeutung weit über den Gasaustausch hinaus. Die Frequenz der Atmung, der Rhythmus und die Atemweise nehmen direkt oder indirekt Einfluss auf alle Organfunktionen.

Mit dem ersten Atemzug treten wir in die Welt.
Mit dem Letzten verabschieden wir uns. 
Atem ist Lebendigkeit. Unsere Lebendigkeit.
Es gibt keine Bewegung, ohne den Atem.
Und es gibt keine Bewegtheit, ohne den Atem.
Keine Körperfunktion würde ihre Arbeit aufnehmen, ohne den Atem.
Es gibt kein Ich das „Ich“ sagt, ohne den Atem.
Es gibt kein Du das „Du“ sagt, ohne den Atem.
Keine Begegnung. Kein Geben und Nehmen. Kein Gesang. Kein Lachen. Kein Weinen.
Keine Kunst. Keinen Gedanken. Kein Frage und keine Antwort. 
Keinerlei Gewahrsein von „Ich bin“. Keinerlei Staunen über ein „Du bist“.
Keinerlei Welt.
Wir machen uns viele Gedanken über Grundbedürfnisse wie Essen, Trinken, und
Schlafen, aber wenig bis keine über die Quelle unserer Lebendigkeit – den Atem.
Der Atem ist ein Geschenk, das wir wenig beachten.
Ein Geschenk, das erst dann seinen ganzen Zauber entfaltet, wenn wir es beginnen,
auszupacken.

Katja Reinke


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